URL A leitet zu URL B weiter, B leitet zu C weiter, C leitet zu D weiter – das ist eine Redirect-Kette. Für Nutzer kaum wahrnehmbar, für SEO aber ein ernstes Problem: Jeder Hop in der Kette kostet Ladezeit und schwächt die Übertragung von Link-Signalen. Dieser Artikel zeigt wie Sie Redirect-Ketten systematisch finden und bereinigen.
Was ist eine Redirect-Kette?
Ein einzelner Redirect (301 oder 302) ist normal und harmlos. Eine Redirect-Kette entsteht wenn mehrere Redirects hintereinandergeschaltet sind:
/alte-seite → /zwischenseite → /neue-seite
Jeder Zwischenschritt kostet:
- Ladezeit: Jeder Hop erfordert einen zusätzlichen HTTP-Request und DNS-Lookup
- Link Equity: Google überträgt bei Redirect-Ketten nicht 100 % der Signale – jeder Hop schwächt die Weitergabe
- Crawl Budget: Googlebot folgt Ketten, verbraucht aber mehr Crawl Budget
Google empfiehlt maximal einen Redirect-Hop. Ketten mit 3 oder mehr Hops können dazu führen, dass Googlebot abbricht und die Zielseite nicht crawlt.
Wie entstehen Redirect-Ketten?
Die häufigsten Ursachen:
HTTPS-Migration ohne Bereinigung: Vor der Migration: http://domain.de/seite → /neue-url. Nach der Migration wird http automatisch zu https weitergeleitet, aber der alte Redirect bleibt: http://domain.de/seite → http://domain.de/neue-url → https://domain.de/neue-url.
Mehrfache URL-Strukturänderungen: Eine URL wird dreimal umgebaut, jedes Mal mit neuem Redirect statt Aktualisierung des alten.
www/non-www plus andere Redirects: www.domain.de/alte-url → domain.de/alte-url → domain.de/neue-url.
CMS-Automatismen: Manche WordPress-Plugins erstellen automatisch Redirects ohne auf bestehende zu prüfen.
Redirect-Ketten entstehen oft schleichend über Monate. Nach jeder URL-Änderung sollten Sie prüfen: Gibt es bereits einen Redirect auf diese URL? Falls ja, aktualisieren Sie den alten direkt auf die neue Ziel-URL statt einen weiteren Hop hinzuzufügen.
Redirect-Ketten erkennen
Screaming Frog SEO Spider
Das effektivste Tool für die systematische Erkennung:
- Website crawlen
- Reports → Redirect Chains aufrufen
- Alle URLs mit mehr als einem Hop werden aufgelistet
Screaming Frog zeigt die gesamte Kette mit Status-Codes und ermöglicht den Export als CSV.
Google Search Console
In der Search Console können Crawl-Fehler Hinweise auf problematische Redirects geben. Unter Abdeckung → Ausgeschlossene URLs finden Sie oft URLs die wegen Redirect-Ketten nicht indexiert wurden.
Redirect-Checker Tools
Online-Tools wie httpstatus.io oder redirect-checker.org ermöglichen die manuelle Prüfung einzelner URLs – hilfreich für schnelle Stichproben, nicht für systematische Audits.
Redirect-Ketten bereinigen
Das Prinzip ist einfach: Leiten Sie jede URL direkt auf die finale Ziel-URL weiter – ohne Zwischenstopps.
Vorher (Kette):
/seite-alt → /seite-mittel → /seite-neu
Nachher (direkt):
/seite-alt → /seite-neu
/seite-mittel → /seite-neu
In WordPress (Redirection Plugin)
Das Plugin Redirection zeigt Redirect-Ketten direkt im Dashboard an:
- Redirection → Umleitungen öffnen
- Nach Ketten filtern oder CSV exportieren
- Bestehende Redirects aktualisieren: Ziel-URL direkt auf finale URL setzen
Serverseitig (.htaccess oder nginx.conf)
Bei serverseitigen Redirects die .htaccess direkt bearbeiten:
# Vorher (Kette):
Redirect 301 /seite-alt /seite-mittel
Redirect 301 /seite-mittel /seite-neu
# Nachher (direkt):
Redirect 301 /seite-alt /seite-neu
Redirect 301 /seite-mittel /seite-neu
Nach der Bereinigung von Redirect-Ketten berichten SEOs regelmäßig von messbaren Ranking-Verbesserungen für die betroffenen Seiten – insbesondere wenn die Seiten gute Backlinks haben die jetzt direkt übertragen werden.
www und HTTPS: Die häufigste Kettenquelle
Die häufigste Redirect-Kette entsteht durch Kombination von HTTPS-Redirect und alten Content-Redirects. Prüfen Sie explizit:
Wunsch-Konfiguration (kein Kettenrisiko):
http://www.domain.de/alte-url → https://domain.de/neue-url (direkt, 1 Hop)
Dafür müssen Server-Level-Redirects (HTTPS, www) und Content-Redirects (URL-Änderungen) koordiniert sein. Testen Sie mit einem Redirect-Checker ob die Kombination eine Kette ergibt.
Manche CDNs (Cloudflare, Fastly) fügen eigene Redirects hinzu (z.B. für HTTPS). Wenn Ihre `.htaccess` bereits einen www→non-www Redirect hat und Cloudflare denselben hinzufügt, entsteht keine Kette – aber prüfen Sie trotzdem mit einem End-to-End-Test von der originalen URL.
Priorität beim Bereinigen
Priorisieren Sie Redirect-Ketten nach:
- Seiten mit vielen Backlinks – hier ist der Signalverlust am größten
- Seiten die schlecht ranken obwohl sie Backlinks haben – Ketten sind oft der Grund
- Häufig gecrawlte Seiten – Crawl-Budget-Verbrauch minimieren
- Lange Ketten (3+ Hops) – höchstes Risiko dass Googlebot abbricht
Weitere Informationen zu verwandten Themen finden Sie in unserem Artikel über 301-Weiterleitungen und SEO.