Es gibt einen offensichtlichen Widerspruch in der Agenturbranche: Werbeagenturen die ihren Kunden Google-Rankings verkaufen, ranken selbst oft auf Seite 2 oder schlechter. Das liegt nicht daran, dass die SEO-Kenntnisse fehlen – sondern daran, dass das eigene Unternehmen meist hintenan steht wenn Kundenprojekte warten. Dieser Artikel behandelt SEO konkret aus Sicht einer Werbeagentur.
Warum Agenturen selbst schlechtes SEO haben
Das Schuster-ohne-Schuhe-Problem: Kundenprojekte haben immer Priorität. Die eigene Website landet hinten in der Backlog-Liste und wird zwischen Projekten nie fertig.
Falsche Keyword-Wahl: Viele Agenturen versuchen für „Werbeagentur” zu ranken – ein extrem hart umkämpftes Keyword mit lokaler und nationaler Konkurrenz. Realistischere Targeting-Strategien werden ignoriert.
Zu generischer Content: „Wir sind eine kreative Full-Service-Agentur” ist kein SEO-Vorteil. Generische Beschreibungen differenzieren nicht und ranken nicht.
Keine lokale SEO: Werbeagenturen haben oft nationale oder internationale Kunden, vernachlässigen aber lokale Rankings – dabei kommen viele Mandate immer noch durch lokale Empfehlungen und Google-Suchen.
Laut einer Analyse von 500 deutschen Werbeagenturen rankt nur 12 % für ihre wichtigsten Ziel-Keywords auf Seite 1 bei Google – obwohl SEO für Kunden zu den angebotenen Dienstleistungen gehört. Das ist das Schuster-ohne-Schuhe-Problem in Zahlen.
Realistische Keyword-Strategie für Agenturen
Generische Keywords die kaum zu gewinnen sind:
- „Werbeagentur” – Dominiert von Branchenverzeichnissen, großen Netzwerken
- „Marketingagentur” – Ähnliche Situation
- „Kreativagentur” – Hohe Konkurrenz, diffuses Suchintent
Keywords wo mittlere Agenturen Chancen haben:
Lokal: „Werbeagentur [Stadt]” ist deutlich besser erreichbar als das generische Keyword. Der Wettbewerb ist lokal begrenzt.
Spezialisierungen: „Agentur für Handwerker-Marketing”, „Gastronomie-Marketing Agentur”, „Zahnarzt Marketing Nürnberg”. Je spezifischer, desto realistischer.
Leistungs-Keywords: „Google Ads Agentur [Stadt]”, „Social Media Agentur [Stadt]”, „SEO Agentur [Stadt]”. Konkret nach Leistung suchen.
Branchenspezifisch: Wenn die Agentur Spezialkenntnisse in einer Branche hat (z.B. Gesundheitswesen, Immobilien, Handwerk), sind branchenspezifische Keywords die realistischste Chance.
Website-Struktur für Agenturen
Die typische Agenturwebsite hat eine Home, Services, Portfolio und Kontakt. Das ist für SEO zu wenig.
Sinnvolle Erweiterungen:
Leistungsseiten mit Tiefe: Statt einer allgemeinen „Services”-Seite separate, optimierte Seiten für jede Hauptleistung: /google-ads/, /social-media-management/, /seo-beratung/, /webdesign/. Jede Seite mit 800–1500 Wörtern und spezifischem Keyword-Fokus.
Branchen-Landingpages: Wenn Expertise in bestimmten Branchen vorhanden ist: /marketing-fuer-handwerker/, /agentur-fuer-gastronomen/. Diese Seiten sprechen direkt Zielgruppen-Keywords an.
Blog mit echtem Mehrwert: Nicht „5 Tipps für besseres Marketing” sondern tiefer Inhalt der echte Expertise beweist. Case Studies, Branchen-Analysen, Tool-Vergleiche.
Fallstudien als SEO-Content: Detaillierte Projektbeschreibungen mit Ergebnissen sind E-E-A-T-Gold. Sie zeigen Expertise und werden von potenziellen Kunden aktiv gesucht.
Praxistipp: Analysieren Sie welche Branchen Ihre aktuellen Kunden kommen aus. Wenn 40 % Ihrer Kunden Handwerksbetriebe sind, haben Sie echte Expertise – und damit das Recht auf eine starke Landingpage für „Marketing für Handwerker”. Schreiben Sie aus echter Erfahrung statt generisch.
Local SEO für Agenturen
Selbst wenn eine Agentur bundesweit arbeitet, sind lokale Rankings wichtig. Lokale Mandate kommen oft durch lokale Suchen.
Google Business Profile für Agenturen:
- Kategorie: „Werbeagentur” als Hauptkategorie, „Marketing-Beratungsunternehmen” oder „Internet-Marketing-Dienstleistung” als Zusatzkategorien
- Leistungen: Alle angebotenen Services aufführen
- Fotos: Büro, Team, Arbeitsmaterialien – menschliche Elemente schaffen Vertrauen
- Bewertungen aktiv sammeln: Nach erfolgreichem Kundenprojekt um Bewertung bitten
Lokale Keywords: Auch wenn Sie bundesweit arbeiten, sollte Ihre Website für lokale Suchanfragen optimiert sein. Cityname im Title, in Überschriften und auf der Kontaktseite.
E-E-A-T für Agenturen: Expertise beweisen
Agenturen verkaufen Expertise – aber Google muss diese Expertise auch erkennen können.
Autoren-Profile: Wer schreibt die Blog-Artikel? Wenn Inhalte anonym erscheinen, verlieren sie E-E-A-T-Punkte. Echte Autoren-Bios mit LinkedIn-Links und nachweisbarer Erfahrung stärken das Signal.
Zertifikate und Auszeichnungen: Google Partner Badge, Meta Partner, Auszeichnungen bei Branchenwettbewerben – auf der Website sichtbar platzieren. Diese Signale stärken Autorität.
Branchenmedien und PR: Gastbeiträge in Fachpublikationen (Absatzwirtschaft, Horizont, W&V), Interviews oder Zitate in Branchenartikeln sind Backlinks und E-E-A-T-Signale gleichzeitig.
Kunden-Logos: Bekannte Kunden-Logos mit Einwilligung zeigen. Referenzen machen Expertise sichtbar.
Content-Marketing das für Agenturen funktioniert
Case Studies: Das wirksamste Content-Format für Agenturen. Konkrete Projekte mit messbaren Ergebnissen. „Wie wir für Kunde X den organischen Traffic um 180 % gesteigert haben.” Detaillierte Case Studies ranken für projektbezogene Keywords und überzeugen gleichzeitig potenzielle Kunden.
Tool-Vergleiche und -Anleitungen: „Welche Social-Media-Tools sind 2025 am besten?” Solche Inhalte ranken für informational Keywords und zeigen Toolexpertise.
Marktanalysen: Eigene Studien zu Marketing-Trends oder Branchenentwicklungen. Werden von anderen Medien zitiert und verlinkt – gute Backlink-Quelle.
Agenturen die Case Studies mit konkreten Zahlen und Ergebnissen publizieren, erzielen 3,7x mehr Website-Anfragen über organische Suche als Agenturen ohne detaillierte Fallstudien – weil Case Studies sowohl SEO-Content als auch Verkaufsargument in einem sind.
Linkaufbau für Werbeagenturen
Branchen-Verbände: Mitgliedschaft im GWA (Gesamtverband Kommunikationsagenturen) oder lokalen Wirtschaftsverbänden bringt oft Verzeichnislinks.
Kunden-Links: Viele Agenturen verlinken in ihren Portfolios auf Kundenprojekte – und umgekehrt: Kunden-Websites verlinken auf die Agentur als Ersteller. Dieser „Made by”-Link ist einfach zu erhalten und relevant.
Auszeichnungen und Rankings: Agenturrankings wie die des W&V-Magazins oder Auszeichnungen des Art Directors Club generieren starke Backlinks.
Gastbeiträge: Beiträge in Marketing-Fachmedien. Keine gekauften Sponsored-Content-Links, sondern echte redaktionelle Beiträge mit Mehrwert.
SEO als Geschäftsmodell-Nachweis: Für eine Agentur die SEO verkauft, ist das eigene Ranking gleichzeitig Proof-of-Concept. Potenzielle Kunden googeln Agenturen bevor sie Kontakt aufnehmen – und wenn die Agentur selbst schlecht rankt, ist das kein gutes Verkaufsargument. Investitionen in die eigene Sichtbarkeit sind direkte Investitionen in die Neukundengewinnung.