AMP (Accelerated Mobile Pages) war lange Zeit eine heiß diskutierte Technologie – und für manche WordPress-Betreiber ein Pflichtelement. Das hat sich geändert. Google hat AMP als Ranking-Faktor abgeschafft und viele SEO-Experten empfehlen AMP heute nicht mehr. Dieser Artikel erklärt den aktuellen Stand und was tatsächlich für mobile Performance relevant ist.
Was AMP war und wofür es stand
AMP wurde 2015 von Google als Initiative für schnellere mobile Seiten gestartet. AMP-Seiten sind stark vereinfachte HTML-Versionen normaler Webseiten – kein selbst geschriebenes JavaScript, stark eingeschränkte CSS, nur wenige erlaubte Komponenten.
Was AMP versprochen hat:
- Extrem schnelle Ladezeiten (durch stark eingeschränkte Technologien)
- Bevorzugte Behandlung in Google-Suchergebnissen (Blitz-Symbol, Top Stories Karussell)
- Sofortiges Laden durch Preloading in der Google Search AMP-Umgebung
Was AMP geliefert hat:
- Tatsächlich sehr schnelle Seiten – durch Beschränkungen, nicht durch bessere Technologie
- Einen separaten URL-Namespace (
/amp/oder?amp=1) der SEO-Komplexität erhöhte - Eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten (kein normales JavaScript, keine Standard-HTML-Formulare)
- Höheren Wartungsaufwand für zwei Seitenversionen
Google hat im August 2021 AMP als Voraussetzung für Top Stories und andere Special Features entfernt. Seitdem gibt es keinen direkten SEO-Vorteil mehr durch AMP-Implementierung.
Warum Google AMP als Ranking-Faktor abgeschafft hat
Seit dem Page Experience Update (August 2021) zählen Core Web Vitals als Ranking-Signal – nicht mehr AMP-Status. Das bedeutet:
- Eine normale, gut optimierte Seite mit guten Core Web Vitals rankt genauso gut wie eine AMP-Seite
- AMP-Seiten erscheinen nicht mehr bevorzugt im Top-Stories-Karussell
- Der Blitz-Symbol neben AMP-Ergebnissen ist in der regulären Suche entfernt
Was stattdessen zählt: Core Web Vitals (LCP, INP, CLS) auf der normalen Website. Diese können mit modernen Entwicklungstechniken ohne AMP erreicht werden.
AMP in WordPress: Aktueller Stand
Das AMP Plugin für WordPress (von der AMP Project-Community) ist weiterhin verfügbar und aktiv gepflegt. Es erstellt automatisch AMP-Versionen für alle Seiten, Beiträge und Archivseiten.
Empfohlene Nutzung laut aktuellem Konsens:
- Für neue WordPress-Installationen: AMP nicht implementieren
- Für bestehende Implementierungen: Abwägen ob Kosten/Nutzen noch stimmt
- Ausnahme: Wenn die normale Website schlechte Core Web Vitals hat und AMP als temporäre Lösung dient
Wann AMP noch sinnvoll sein kann
Szenarien wo AMP noch vertretbar ist:
Sehr große Nachrichtenseiten mit massivem Mobile Traffic: Für große Nachrichten-Publisher die Millionen mobile Artikel-Aufrufe haben und kein Budget für fundamentale Performance-Optimierungen, bleibt AMP eine Option. Nicht für typische Unternehmenswebsites.
Spezifische PWA-Implementierungen: AMP kann als Grundlage für bestimmte Progressive Web App-Architekturen genutzt werden.
Veraltete WordPress-Themes ohne Performance-Optimierung: Als temporäre Lösung wenn die normale Website schwer zu optimieren ist. Aber die eigentliche Lösung wäre ein besseres Theme oder Hosting.
Was stattdessen für mobile Performance funktioniert
Statt AMP gibt es effektivere Alternativen die keine technischen Kompromisse erfordern:
Core Web Vitals direkt optimieren:
- LCP optimieren: Bilder im WebP-Format, Preload für LCP-Bild, schneller Server
- CLS reduzieren: Bildmaße im HTML definieren, keine nachladenden Inhalte ohne reservierten Platz
- INP verbessern: JavaScript-Blockierungen entfernen, Lazy Loading für Heavy Komponenten
Schnelles WordPress-Theme: GeneratePress, Kadence oder Astra (schlanke Themes mit gutem Performance-Fundament) statt aufgeblähten Page-Builder-Themes.
Gutes Hosting: Ein langsamer Server kann durch kein Frontend-Trick vollständig kompensiert werden. Managed WordPress-Hosting mit PHP 8.2+ und OPcache macht einen messbaren Unterschied.
Caching richtig einrichten: WP Rocket, LiteSpeed Cache oder W3 Total Cache mit sinnvollen Einstellungen. Page Caching + Browser Caching + Gzip/Brotli.
Praxistipp: Messen Sie Ihre Core Web Vitals mit PageSpeed Insights für die wichtigsten Seiten Ihrer Website. Wenn LCP unter 2,5 Sekunden und CLS unter 0,1 liegt, haben Sie keine Notwendigkeit für AMP. Sind die Werte schlechter, adressieren Sie die konkreten Schwachstellen direkt – das ist effizienter als AMP einzuführen.
AMP entfernen: Vorgehen wenn AMP aktiv ist
Wenn Sie AMP von einer bestehenden WordPress-Installation entfernen wollen:
Schritt 1: Prüfen ob AMP-URLs indexiert sind
Google Search Console → Seiten → URL-Filter auf /amp/ oder ?amp=. Wenn viele AMP-URLs indexiert sind, muss die Abschaltung vorsichtig erfolgen.
Schritt 2: Canonical-Tags prüfen Das AMP-Plugin setzt auf AMP-Seiten einen Canonical auf die reguläre URL. Wenn das korrekt konfiguriert ist, sollten die normalen URLs die Rankings halten.
Schritt 3: Plugin deaktivieren und Redirects einrichten
Nach dem Deaktivieren des AMP-Plugins die /amp/-Varianten mit 301-Redirect auf die normalen URLs umleiten. In .htaccess:
RewriteRule ^(.+)/amp/?$ /$1/ [R=301,L]
RewriteRule ^/amp/?$ / [R=301,L]
Schritt 4: Search Console informieren Die normalen URLs zur Neu-Indexierung einreichen, betroffene Seiten per URL-Inspektion anfragen.
Schritt 5: Rankings monitoren Nach der Migration 4–6 Wochen Rankings beobachten. Leichte temporäre Schwankungen sind normal.
Websites die von AMP auf optimierte Standard-HTML migrieren und dabei Core Web Vitals verbessern, behalten ihre Rankings in 89 % der Fälle oder verbessern sie – weil die Core Web Vitals oft besser werden als mit AMP-Seiten möglich war.
AMP für Google Discover: AMP hat für Google Discover noch eine gewisse Relevanz – manche Publisher berichten von besserer Discover-Performance mit AMP. Das ist jedoch nicht verifizierbar und auch ohne AMP sind gute Discover-Rankings möglich. Wenn Discover ein wichtiger Traffic-Kanal für Sie ist, überwachen Sie die Entwicklung nach einer AMP-Abschaltung besonders genau.