Die Frage „SSR oder SSG?” ist eine der wichtigsten Architekturentscheidungen für SEO-Verantwortliche. Beide Ansätze haben ihre Stärken – aber für unterschiedliche Anwendungsfälle. Wer die falsche Architektur wählt, kämpft danach ständig gegen strukturelle SEO-Probleme. Wer die richtige Wahl trifft, hat die technische Grundlage für gute Rankings fast automatisch.
Was ist SSR, was ist SSG?
Server-Side Rendering (SSR): HTML wird bei jeder Anfrage dynamisch auf dem Server generiert. Der Nutzer und Googlebot erhalten frisch gerenderte HTML-Seiten. Frameworks: Next.js (mit getServerSideProps), Nuxt.js, SvelteKit.
Static Site Generation (SSG): HTML wird beim Build-Prozess einmalig generiert. Alle Seiten existieren als fertige HTML-Dateien auf dem Server oder CDN. Frameworks: Next.js (mit getStaticProps), Astro, Gatsby, Hugo, Eleventy.
Incremental Static Regeneration (ISR): Hybridansatz von Next.js. Seiten werden statisch generiert, aber mit definierten Revalidierungsintervallen automatisch aktualisiert. Beste von beiden Welten für viele Anwendungsfälle.
Client-Side Rendering (CSR): HTML wird im Browser via JavaScript generiert. SEO-problematisch – Googlebot muss JavaScript rendern, was Verzögerungen erzeugt. Nur für nicht-öffentliche Bereiche (Dashboards, Apps nach Login) geeignet.
Statisch generierte Seiten haben im Median einen 0,8 Sekunden schnelleren LCP als Server-Side Rendered Seiten – weil kein Datenbankaufruf und keine Serververarbeitungszeit anfällt.
SSG: Stärken und Schwächen für SEO
Stärken von SSG
Maximale Performance: Statische HTML-Dateien werden direkt vom CDN ausgeliefert. TTFB liegt typischerweise bei 20–80 ms. Das ist die beste mögliche Ausgangsbasis für LCP.
Hohe Verfügbarkeit: Kein dynamischer Server kann ausfallen. CDN-Netzwerke haben Verfügbarkeit von 99,99 %. Downtime = keine Crawling-Fehler für Googlebot.
Sicherheit: Keine Datenbank, kein Anwendungsserver – die Angriffsfläche ist minimal.
Günstig: CDN-Hosting für statische Sites ist kostenlos (Netlify, Vercel, Cloudflare Pages) oder sehr günstig. Kein teurer Application-Server nötig.
Schwächen von SSG
Kein Echtzeit-Inhalt: Wenn Preise, Lagerbestände oder News-Artikel sich häufig ändern, muss die Site neu gebaut werden. Bei großen Sites (10.000+ Seiten) kann das Build-Prozesse dauern.
Build-Zeiten: Jedes Deployment baut alle Seiten neu. Bei 50.000 Seiten kann das 30–60 Minuten dauern – was Content-Updates verlangsamt.
Personalisierung nicht nativ: Nutzerabhängige Inhalte (eingeloggte Zustände, personalisierte Empfehlungen) müssen via Client-Side JavaScript nachgeladen werden.
Ideal für SSG: Unternehmenswebsites, Blogs, Dokumentationen, Marketing-Sites, Landing Pages – alles wo Inhalte sich selten ändern.
SSR: Stärken und Schwächen für SEO
Stärken von SSR
Echte Aktualität: Jeder Pageload zeigt den aktuellen Zustand der Datenbank. Ideal für E-Commerce (aktuelle Preise, Lagerbestände), News (aktuelle Artikel) und dynamische Inhalte.
Personalisierung: Nutzerabhängige Inhalte (angemeldete Nutzer, Geo-Targeting, A/B-Tests) sind nativ möglich.
Kein Build-Prozess für Content-Updates: Neue Inhalte sind sofort live ohne Re-Build.
Schwächen von SSR
Höhere TTFB: Jede Anfrage löst Datenbankabfragen, Business-Logik und Template-Rendering aus. TTFB von 200–800 ms ist typisch – deutlich langsamer als statisch.
Serverabhängigkeit: Hoher Traffic kann Server überlasten. Scaling kostet Geld.
Caching-Komplexität: Um Performance zu verbessern, muss serverseitiges Caching (Redis, Varnish, CDN-Caching) konfiguriert werden – das erhöht Komplexität.
Ideal für SSR: E-Commerce mit dynamischen Preisen, News-Sites, Social Platforms, alles mit personalisierten Inhalten.
Praxistipp: Für die meisten Unternehmenswebsites ist SSG die richtige Wahl. Für WooCommerce-Shops (Warenkorb, Checkout, Live-Bestände) ist SSR oder ein hybrider Ansatz notwendig. Die Entscheidung sollte sich am Inhalt orientieren, nicht an Technologie-Präferenzen.
Hybrider Ansatz: Das Beste aus beiden Welten
Moderne Frameworks ermöglichen, SSG und SSR auf Seiten-Ebene zu mischen:
Next.js App Router – jede Seite kann individuell als statisch oder dynamisch konfiguriert werden:
// Statische Seite (SSG)
export const dynamic = 'force-static'
// Dynamische Seite (SSR)
export const dynamic = 'force-dynamic'
// ISR mit 60 Sekunden Revalidierung
export const revalidate = 60
Astro mit Server-Islands: Astro 4+ unterstützt Server-Islands, bei denen der Seitenrahmen statisch ist, aber bestimmte Komponenten serverseitig gerendert werden. Ideal für Seiten mit 95 % statischem Inhalt und 5 % dynamischen Elementen.
Typische Hybrid-Architektur:
- Startseite, Über uns, Kontakt → SSG (kein Datenbankaufruf)
- Blog, Dokumentation → SSG mit ISR (1-Stunden-Revalidierung)
- Produktseiten → ISR mit 5-Minuten-Revalidierung (Preise)
- Warenkorb, Checkout → SSR (personalisiert, sicherheitsrelevant)
Konkrete SEO-Auswirkungen der Architekturwahl
LCP: SSG auf CDN → 50–150 ms TTFB → LCP oft < 1,5s. SSR ohne Caching → 200–800 ms TTFB → LCP potenziell > 2,5s. Mit gutem SSR-Caching → ähnlich wie SSG.
CLS: Unabhängig von SSR/SSG – hängt von Bildoptimierung und Layout-Stabilität ab.
INP: Unabhängig von SSR/SSG – hängt von JavaScript-Menge und Event-Handler-Effizienz ab.
Indexierung: SSG und SSR sind für Googlebot gleich gut crawlbar, da vollständiges HTML ausgeliefert wird. CSR hingegen erfordert JavaScript-Rendering.
Websites mit SSG/ISR-Architektur haben im Durchschnitt eine 95th-Percentile TTFB von 180 ms vs. 620 ms bei ungecachtem SSR – ein entscheidender Unterschied für LCP.
Empfehlung nach Website-Typ
| Website-Typ | Empfohlene Architektur |
|---|---|
| Unternehmenswebsite | SSG (Astro, Hugo, Next.js SSG) |
| Blog / Dokumentation | SSG mit ISR |
| E-Commerce (< 1.000 Produkte) | SSG + Warenkorb via API |
| E-Commerce (> 1.000 Produkte) | ISR mit kurzer Revalidierung |
| News-Website | ISR oder SSR mit CDN-Caching |
| Web-App mit Login | SSR für Auth-Bereiche, SSG für öffentliche Seiten |
WordPress und SSR/SSG: WordPress ist technically SSR – es generiert HTML dynamisch per PHP. Mit Caching-Plugins (WP Rocket, Nginx FastCGI Cache) wird es de facto zu SSG – gecachte HTML-Seiten werden direkt ausgeliefert. Das ist der Hauptgrund warum gutes WordPress-Caching so dramatisch die Performance verbessert.