Google Analytics ist das meistgenutzte Webanalyse-Tool der Welt. Über 28 Millionen Websites setzen es ein. Und wir – eine SEO-Agentur, deren Geschäft davon abhängt, dass Websites bei Google gut ranken – nutzen es nicht.
Das ist kein Versehen und kein Trotz. Es ist eine bewusste Entscheidung, die wir nach Jahren mit Google Analytics getroffen haben. In unserem Artikel über Websites ohne Cookie-Banner haben wir das Thema kurz angerissen. Hier gehen wir in die Tiefe: Warum Google Analytics für die meisten Firmenwebsites Overkill ist, welche Tools wir stattdessen nutzen – und warum wir damit bessere Entscheidungen treffen als mit jedem Analytics-Dashboard.
Warum die meisten Websites Google Analytics installieren
Die ehrliche Antwort: Weil man das so macht. Google Analytics gehört für viele Webentwickler und Agenturen zum Standardsetup wie das Impressum oder die Datenschutzerklärung. Website live? Analytics-Code rein. Fertig.
Dabei ist GA4 kein simples Tool mehr. Die Umstellung von Universal Analytics auf GA4 hat die Komplexität deutlich erhöht: Event-basiertes Tracking statt Seitenaufrufe, neue Oberfläche, Custom Reports über sogenannte Explorations, Conversion-Einrichtung über eigene Events. Dazu kommt das Consent-Setup mit Cookie-Banner, die Anpassung der Datenschutzerklärung und der Auftragsverarbeitungsvertrag mit Google.
Was GA4 dann liefert: Seitenaufrufe, Verweildauer, Absprungrate, Gerätetypen, Traffic-Quellen, demografische Daten. Klingt beeindruckend. Aber die entscheidende Frage stellt kaum jemand: Was machen Sie konkret mit diesen Daten?
Das Problem mit Vanity Metrics
Seitenaufrufe, Verweildauer, Bounce Rate – das sind Zahlen, die sich gut anfühlen. 5.000 Besucher im letzten Monat. 2 Minuten durchschnittliche Verweildauer. 45 % Absprungrate. Das Dashboard sieht bunt aus, der Kunde nickt zufrieden. Aber hat sich dadurch irgendetwas am Geschäftsergebnis geändert?
In den meisten Fällen nicht. Das typische Szenario bei kleinen und mittleren Unternehmen: Google Analytics wird eingerichtet, die ersten zwei Wochen schaut man regelmäßig rein, dann immer seltener – bis das Dashboard nur noch zum Quartalsmeeting geöffnet wird. Die Daten werden gesammelt, aber nie in Handlungen übersetzt.
Für wen GA4 tatsächlich Sinn macht: E-Commerce-Shops mit komplexen Conversion-Funnels, SaaS-Produkte mit User-Journey-Tracking, große Content-Portale die A/B-Tests fahren. Dort sind die Daten geschäftskritisch und fließen in konkrete Optimierungen.
Für eine Firmenwebsite mit 10–20 Seiten, deren Ziel es ist, dass das Telefon klingelt oder eine Kontaktanfrage reinkommt? Da reicht Google Analytics nicht nur nicht – es lenkt ab. Vom Wesentlichen, nämlich: guten Content erstellen, lokal sichtbar sein und Vertrauen aufbauen.
Was wir stattdessen nutzen
Kein Analytics heißt nicht keine Daten. Wir wissen sehr genau, wie unsere Website performt und woher unsere Kunden kommen. Nur eben ohne ein einziges Tracking-Script auf der Website.
Google Search Console
Die Search Console ist unser wichtigstes Tool – und sie ist kostenlos. Sie zeigt uns, für welche Suchanfragen unsere Seiten erscheinen, wie oft sie geklickt werden, auf welcher Position sie stehen und wie sich das über die Zeit entwickelt.
Das sind die Daten, die für SEO wirklich zählen. Nicht wie lange jemand auf einer Seite bleibt, sondern: Wird die Seite überhaupt gefunden? Für die richtigen Keywords? Steigt die Sichtbarkeit oder fällt sie?
Der entscheidende Vorteil: Die Search Console braucht kein Script auf der Website. Kein Cookie, kein Consent, kein Eintrag in der Datenschutzerklärung. Die Daten kommen direkt von Google – aus der Suche selbst. 100 % unserer SEO-Entscheidungen basieren auf Search-Console-Daten.
Google Business Profil
Für lokale Unternehmen – und dazu zählen auch Agenturen wie wir – ist das Google Business Profil die zweitwichtigste Datenquelle. Es zeigt, wie oft unser Eintrag in der Suche und auf Google Maps angezeigt wird, woher die Aufrufe kommen und welche Aktionen Nutzer ausführen: Anruf, Route, Website-Besuch.
Auch hier gilt: Die Daten werden von Google erhoben, nicht von unserer Website. Kein Script, kein Cookie, keine Einwilligung nötig.
Kundengespräch – die unterschätzte Datenquelle
„Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?” Diese Frage stellen wir jedem neuen Kunden. Das klingt altmodisch, liefert aber ehrlichere Attribution als jedes UTM-Tag. Kein Analytics-Tool kann den Kontext erfassen, den ein kurzes Gespräch liefert: ob jemand über eine Google-Suche kam, eine Empfehlung bekommen hat oder unseren Blog-Artikel gelesen hat.
Praxis-Tipp: Fragen Sie jeden neuen Kunden, wie er auf Sie aufmerksam geworden ist. Sie werden überrascht sein, wie oft die Antwort „Google" lautet – und wie selten jemand den genauen Weg beschreiben kann. Für die strategische Ausrichtung ist diese Information wertvoller als jeder Analytics-Report.
Der versteckte Aufwand von Google Analytics
Google Analytics auf einer deutschen Website datenschutzkonform zu betreiben, ist kein Fünf-Minuten-Setup mehr. Seit dem EuGH-Urteil Schrems II und der Umstellung auf GA4 ist der Aufwand deutlich gestiegen:
- Cookie-Banner. Einrichten, konfigurieren, testen. Consent Mode v2 korrekt implementieren, damit GA4 nur mit Einwilligung trackt.
- Datenschutzerklärung. Rechtsgrundlage, Speicherdauer, Widerspruchsrecht, Empfänger der Daten – alles muss dokumentiert werden.
- AV-Vertrag. Auftragsverarbeitungsvertrag mit Google abschließen und archivieren.
- GA4 konfigurieren. Events definieren, Conversions einrichten, Datenströme anlegen, Enhanced Measurement prüfen.
- Consent-Tool-Kosten. Cookiebot, Usercentrics oder Borlabs: 5–15 € pro Monat für ein Tool, das eigentlich nur existiert, weil man trackt.
Gut zu wissen: Seit der Umstellung auf GA4 ist die datenschutzkonforme Einrichtung von Google Analytics in der EU deutlich aufwändiger geworden. Consent Mode v2, serverseitiges Tagging, IP-Anonymisierung – für viele kleine Websites übersteigt der Einrichtungs- und Wartungsaufwand den tatsächlichen Nutzen der erhobenen Daten.
Rechnen Sie den Aufwand zusammen: Consent-Tool, Einrichtungszeit, regelmäßige Wartung, DSGVO-Dokumentation. Für eine Firmenwebsite die 5–20 Kontaktanfragen pro Monat generiert, ist das ein schlechter Deal.
Datenschutzfreundliche Alternativen
Wer auf Google Analytics verzichten, aber trotzdem Besucherzahlen sehen möchte, hat mittlerweile gute Alternativen:
- Plausible Analytics. EU-gehostet, Open Source, kein Cookie nötig, einfache Oberfläche. Ab 9 €/Monat.
- Matomo. Self-Hosted möglich, DSGVO-konform konfigurierbar, kostenlos bei eigenem Hosting. Deutlich mehr Features als Plausible, aber auch mehr Komplexität.
- Fathom. Ähnliches Konzept wie Plausible, kanadisches Unternehmen mit EU-Servern. Ab 14 $/Monat.
| Kriterium | GA4 | Plausible | Matomo | Kein Analytics |
|---|---|---|---|---|
| Kosten | 0 € + Consent-Tool | Ab 9 €/Monat | 0 € (Self-Hosted) | 0 € |
| Cookie nötig? | Ja | Nein | Konfigurierbar | – |
| DSGVO-Aufwand | Hoch | Gering | Mittel | Keiner |
| Datentiefe | Sehr hoch | Basis | Hoch | Search Console |
| Cookie-Banner nötig? | Ja | Nein | Konfigurierbar | Nein |
| Geeignet für | E-Commerce, SaaS | KMU, Blogs | KMU, Enterprise | Firmenwebsites |
Für die meisten Firmenwebsites ist die rechte Spalte die ehrlichste Empfehlung: Kein Analytics, dafür Search Console und Google Business Profil. Alle Daten, die Sie für Ihre SEO-Arbeit brauchen, ohne einen einzigen zusätzlichen Dienst.
Wann Google Analytics wirklich sinnvoll ist
Wir sind keine Analytics-Gegner. Google Analytics ist ein mächtiges Tool – aber eben nicht für jede Website das richtige. Sinnvoll ist es bei:
- E-Commerce-Shops mit Warenkörben, Checkout-Funnels und Conversion-Tracking über mehrere Schritte
- SaaS-Produkten die User-Journeys vom Erstkontakt bis zur Anmeldung nachvollziehen müssen
- Content-Portalen mit Hunderten Seiten, die A/B-Tests und Content-Performance-Analysen fahren
- Marketing-Teams die bezahlte Kampagnen über mehrere Kanäle optimieren
Für eine Zahnarztpraxis, eine Anwaltskanzlei, einen Handwerksbetrieb oder eine Agentur wie uns – mit einer Website die Vertrauen aufbauen und Kontaktanfragen generieren soll – ist Google Analytics schlicht Overkill. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn.
Fazit: Weniger messen, mehr machen
Daten sammeln ist kein Selbstzweck. Die beste Metrik für eine Firmenwebsite ist nicht die Verweildauer oder die Absprungrate – sondern ob das Telefon klingelt. Ob Anfragen reinkommen. Ob aus Besuchern Kunden werden.
Wir messen unseren SEO-Erfolg an dem, was zählt: Rankings in der Search Console, Sichtbarkeit im Business Profil und dem direkten Feedback unserer Kunden. Das reicht. Und es spart uns ein Cookie-Banner, ein Consent-Tool und jede Menge Aufwand, den wir lieber in die Arbeit für unsere Kunden stecken.