Ein Website-Relaunch ist aus SEO-Sicht eines der riskantesten Projekte die ein Unternehmen durchführen kann. Neue URLs, geänderte Inhalte, andere Struktur – all das kann dazu führen dass bestehende Rankings verloren gehen. Ziel muss es sein, Rankings zu sichern und nach Möglichkeit zu verbessern. In der Praxis führt ein schlecht geplanter Relaunch oft zu Traffic-Einbrüchen von 30–70 %, die Monate dauern bis sie sich erholen. Mit der richtigen Vorbereitung ist das vermeidbar.
Warum Relaunch und SEO so riskant sind
Google hat über Monate oder Jahre gelernt welche Seiten Ihrer Website für welche Keywords relevant sind und hat entsprechende Signale gesammelt: Backlinks die auf bestimmte URLs zeigen, indexierte Seiten, Ranking-Daten. Wenn sich URLs ändern und keine Weiterleitungen existieren, verliert Google dieses Wissen – und Ihre Rankings.
Studien zeigen dass Websites nach einem schlecht geplanten Relaunch im Schnitt 40–60 % ihres organischen Traffics verlieren – und 6–12 Monate brauchen um sich zu erholen.
Phase 1: Vor dem Relaunch (Analyse)
Bestandsaufnahme. Erstellen Sie eine vollständige Liste aller aktuellen URLs – mit einem Crawl-Tool wie Screaming Frog oder Sitebulb. Diese Liste ist Ihr Ausgangspunkt für die Weiterleitungs-Planung.
Ranking-Analyse. Welche Seiten ranken aktuell für welche Keywords? Google Search Console → Leistung zeigt die wichtigsten Seiten und Keywords. Diese Seiten haben Priorität beim Relaunch.
Backlinkprofil exportieren. Welche externen Links zeigen auf Ihre Website? Mit der Search Console oder Tools wie Ahrefs (kostenpflichtig) oder Ubersuggest (begrenzt kostenlos) exportieren. URLs mit vielen eingehenden Links brauchen besondere Aufmerksamkeit bei der Weiterleitung.
Wichtige Keywords dokumentieren. Notieren Sie für die wichtigsten Seiten die primären und sekundären Keywords. Diese müssen auf den neuen Seiten weiterhin vorkommen.
Phase 2: Relaunch-Planung
URL-Mapping erstellen. Für jede alte URL eine neue URL festlegen. Idealerweise bleiben URLs gleich – wenn nicht, wird eine 1:1-Weiterleitungstabelle erstellt.
Inhalte übertragen. Wichtige Inhalte, Keywords und Meta-Daten von der alten auf die neue Website übernehmen. Einen Relaunch nicht für eine komplette inhaltliche Überarbeitung nutzen – das maximiert das Risiko.
Neue Inhalte vorab prüfen. Sind die wichtigsten Keywords noch vorhanden? Haben alle Seiten individuelle Meta-Titel und Descriptions?
Führen Sie den Relaunch nicht am Freitagabend durch. Wenn Probleme auftreten – und die treten fast immer auf – brauchen Sie Zeit und die Verfügbarkeit aller Beteiligten zur schnellen Problemlösung. Montag oder Dienstag früh ist der bessere Zeitpunkt.
Phase 3: Der Launch
Staging-Umgebung sperren. Die Test-Domain der neuen Website muss bis zum Launch per robots.txt oder Passwortschutz gesperrt sein – sonst indexiert Google die neue Website doppelt.
301-Weiterleitungen aktivieren. Alle alten URLs weiterleiten. Nicht auf die Startseite – sondern auf die inhaltlich entsprechende neue Seite. Eine Pauschalweiterleitung auf die Startseite wird von Google als Soft 404 gewertet.
Sitemap aktualisieren. Die neue Sitemap mit allen neuen URLs in der Search Console einreichen und Google um Crawling bitten.
Search Console auf neue Domain/Version umstellen. Falls sich die Domain oder das Protokoll (HTTP/HTTPS) geändert hat, die Change-of-Address-Funktion nutzen.
Phase 4: Nach dem Launch
Monitoring in den ersten Wochen. Rankings und Traffic täglich beobachten. 404-Fehler in der Search Console prüfen – zeigen welche alten URLs noch aufgerufen werden ohne Weiterleitung.
Fehlende Weiterleitungen nachträglich hinzufügen. Fast immer werden nach dem Launch weitere URLs entdeckt die keine Weiterleitung haben. Diese so schnell wie möglich ergänzen.
Geduld. Rankings stabilisieren sich nach einem Relaunch typischerweise innerhalb von 4–12 Wochen. Kurzfristige Schwankungen sind normal und kein Grund zur Panik.
Der größte Fehler bei Relaunch-Projekten: Weiterleitungen als nachträglichen Schritt behandeln statt als zentralen Teil der Planung. Erst die neue Website launchen, dann die Weiterleitungen einrichten – das ist die häufigste Ursache für Ranking-Verluste.