Gemini ist bei Google vier verschiedene Dinge auf einmal, und wer sie durcheinanderbringt, optimiert an der falschen Stelle. Für Ihre Website zählt vor allem eine Frage: Wann holt sich Gemini beim Antworten live Seiten aus dem Web, und wann antwortet es nur aus dem, was im Modell steckt. Nur im ersten Fall haben Sie überhaupt eine Chance, in der Antwort vorzukommen.
Hier geht es um Gemini als eigene Oberfläche, also um die App auf dem Handy und im Browser, um den Assistenten in Google Docs und Gmail und um die langen Rechercheläufe. Was innerhalb der Suchergebnisseite passiert, hat eigene Regeln und steht in unserem Text zur Frage, wie Google im KI-Suchmodus seine Quellen auswählt.
Vier Dinge heißen Gemini
Der Name bezeichnet inzwischen so viel, dass Beratungsgespräche regelmäßig aneinander vorbeilaufen. Sauber getrennt sieht es so aus:
- Die Modellfamilie. Gemini ist zuerst ein Sprachmodell in mehreren Größen, das Google auch über die Vertex-AI-Schnittstelle an Entwickler verkauft. Ein Modell hat keine Oberfläche und keine Quellenangaben, es rechnet nur.
- Die Gemini-App. Das Chatfenster unter
gemini.google.comund die App auf dem Telefon. Hier antwortet Google im Dialog, wahlweise mit oder ohne Blick ins Web. - Der Assistent in Workspace. Gemini in Docs, Gmail, Sheets und Meet, der überwiegend mit den Dokumenten des Nutzers arbeitet, nicht mit dem offenen Internet.
- Der Antrieb hinter der Suche. AI Overviews und der KI-Suchmodus laufen ebenfalls auf Gemini-Modellen. Sie sind trotzdem Suchoberflächen, keine Gemini-Oberflächen, und die Quellenauswahl folgt dort der Logik der Suche.
Die letzte Unterscheidung ist die praktisch wichtigste. In der Suche entscheidet weiterhin der Index darüber, welche Seiten überhaupt in die engere Wahl kommen, weshalb dort klassische Rankingarbeit wirkt. Wie sich dieser Teil im Lauf des Jahres verschoben hat, haben wir in der Bestandsaufnahme zum KI-Suchmodus 2026 beschrieben. In der App dagegen hängt alles daran, ob Gemini für Ihre Frage überhaupt nachschlägt.
Grounding: wann Gemini das Web liest und wie Quellen erscheinen
Google nennt das Nachschlagen Grounding mit der Google-Suche. Das Modell bekommt zur Frage des Nutzers Ausschnitte aus dem Suchindex mitgeliefert und formuliert die Antwort daraus, statt sie allein aus dem Trainingsstand zu ziehen. Ausgelöst wird das nicht bei jeder Frage, sondern vor allem dort, wo das Modell merkt, dass es aktuelle oder überprüfbare Angaben braucht: bei Namen von Firmen und Personen, bei Preisen, Öffnungszeiten, Gesetzesständen, Ortsbezug und allem, was der Nutzer mit „aktuell" oder einer Jahreszahl versieht.
Woran Sie es erkennen: Eine gegroundete Antwort trägt Quellenhinweise, meist als kleine Verweise nach dem betreffenden Absatz oder als aufklappbare Liste unter der Antwort. In der Regel sind es zwei bis fünf Quellen, nicht dreißig. Fehlen diese Hinweise vollständig, hat Gemini aus dem Modell geantwortet. Dann ändert auch die beste Seite bei Ihnen kurzfristig nichts an der Antwort, denn sie wurde gar nicht gelesen.
Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz für die Erwartungshaltung: Klicks bringt das kaum. Die Quellenhinweise sitzen am Rand der Antwort, sind eingeklappt und werden von den meisten Nutzern schlicht ignoriert. Belastbare Zahlen dazu veröffentlicht Google nicht, und jeder, der Ihnen eine Klickrate für Gemini-Antworten nennt, hat sie geschätzt. Der Gewinn liegt darin, überhaupt genannt zu werden, mit korrektem Firmennamen und korrekter Aussage. Deutlich sichtbarer werden Quellen dort, wo sie zur Produktidee gehören, etwa bei Perplexity mit seinen nummerierten Fußnoten direkt im Text.
Praxis-Tipp: Stellen Sie dieselbe Frage zweimal, einmal normal und einmal mit dem Zusatz „bitte mit aktuellen Quellen aus dem Web". Weichen die Antworten stark voneinander ab, wissen Sie, dass die erste Fassung aus dem Modell kam, und Sie sehen zugleich, welche Domains Google für Ihr Thema als vertrauenswürdig behandelt.
Google-Extended: eine Zeile, die nur Gemini betrifft
Hier wird es technisch, und hier passieren die teuersten Fehler. Google-Extended ist kein eigener Crawler. Es gibt keinen Bot dieses Namens, der Ihre Seiten abruft; das erledigt weiterhin der Googlebot. Google-Extended ist nur eine Kennung, die Sie in der robots.txt ansprechen können, um Google die Nutzung Ihrer Inhalte für bestimmte Zwecke zu untersagen. Es gibt sie seit September 2023.
Welche Zwecke das sind, steht in der Crawler-Dokumentation von Google und ist genauer, als die meisten Anleitungen wiedergeben. Google-Extended steuert zweierlei: die Gemini-Modelle, die die Gemini-Apps und die Vertex-AI-Schnittstelle antreiben, und das Grounding, also die Weitergabe von Inhalten aus dem Suchindex an das Modell zum Zeitpunkt der Anfrage.
Der zweite Punkt ist der, den viele übersehen. Wer Google-Extended sperrt, verhindert nicht nur das Training. Er nimmt sich damit auch aus den Antworten der Gemini-App heraus, weil die Ausschnitte aus dem Index gar nicht erst ans Modell weitergereicht werden. Genau das ist meistens nicht gewollt: Der Betreiber wollte „nicht trainiert werden" und hat sich nebenbei unsichtbar gemacht. Welche Bots welchem Zweck dienen und wie eine Datei aussieht, die diese Fälle auseinanderhält, steht in der Anleitung zur robots.txt für KI-Bots.
Gut zu wissen: Google stellt ausdrücklich fest, dass Google-Extended weder die Aufnahme einer Website in die Google-Suche beeinflusst noch als Rankingsignal verwendet wird. Ihre organische Sichtbarkeit bleibt also unangetastet, egal wie Sie sich entscheiden. Umgekehrt gilt aber auch: Ohne Indexierung in der Suche kein Grounding, denn es gibt keinen zweiten, eigenen Gemini-Index.
Gemini in Workspace und die langen Rechercheläufe
Der Assistent in Docs und Gmail ist für Ihre Sichtbarkeit weitgehend uninteressant, weil er auf den Dateien des Nutzers arbeitet. Interessant sind die tiefen Rechercheläufe, bei denen Gemini eine Frage in einen Arbeitsplan zerlegt, über Minuten hinweg Dutzende Seiten öffnet und am Ende ein mehrseitiges Dokument mit Quellenverzeichnis ausgibt.
Was dort gefragt ist, unterscheidet sich spürbar von dem, was in einem Suchergebnis funktioniert. Ein Snippet braucht eine knappe Antwort in den ersten Zeilen. Ein Rechercheagent liest die ganze Seite und belohnt das Gegenteil: vollständige Kapitel, Tabellen mit echten Zahlen statt Adjektiven, ein sichtbares Datum der letzten Aktualisierung, sauber benannte Zwischenüberschriften. Er folgt außerdem internen Links, was ein Argument für Detailseiten statt für eine einzige Bleiwüste ist. Wir haben unser eigenes SEO-Lexikon aus genau diesem Grund auf 205 Einzelseiten aufgeteilt, eine Adresse je Begriff, statt alles in einem Akkordeon zu stapeln.
Was in solchen Läufen regelmäßig verliert: PDFs ohne Textebene, Inhalte hinter einem Formular, Seiten, deren Kernaussage erst nach dem dritten Scrollen kommt. Und Angaben, die nur im Fließtext stehen, obwohl sie maschinenlesbar sein könnten. Welche Auszeichnungen dabei belegbar helfen und welche nur behauptet werden, haben wir bei den strukturierten Daten für Sprachmodelle auseinandersortiert.
Was Gemini über Ihre Firma sagt
Das Nachsehen kostet zehn Minuten und ist der einzige Weg, den Ist-Zustand zu kennen. Fragen Sie in der App nacheinander nach Ihrem Firmennamen, nach Ihrer Leistung mit Ortsbezug und nach einer typischen Kundenfrage aus Ihrem Geschäft. Notieren Sie drei Dinge: ob überhaupt Quellen erscheinen, welche Domains genannt werden und welche Aussagen falsch sind. Wiederholen Sie das jeden Monat mit denselben Fragen, sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
Fast immer stammt eine falsche Angabe nicht von Ihrer eigenen Seite, sondern von einem veralteten Eintrag in einem Branchenverzeichnis, einer alten Pressemitteilung oder einem Portal, das Ihre Öffnungszeiten von 2021 führt. Das lässt sich beheben, aber nur an der Quelle, nicht auf Ihrer Startseite. Und damit zu der Meinung, die wir uns nach einigen Monaten damit gebildet haben: Eine eigene Gemini-Strategie braucht kein mittelständisches Unternehmen. Was das Modell über Sie sagt, entscheidet sich zu großen Teilen außerhalb Ihrer Website, in Verzeichnissen, Fachportalen und Bewertungen, und wer dort aufräumt, verbessert die Antwort in jedem Chatfenster gleichzeitig. Budget in eine separate KI-Optimierung zu stecken, während der Eintrag im Unternehmensregister noch die alte Adresse führt, ist Geldverschwendung.
Fazit
Trennen Sie die Oberflächen: In der Suche gewinnt, wer rankt, in der Gemini-App gewinnt, wer sauber im Index steht und beim Grounding mitgeliefert werden darf. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob Ihre robots.txt Google-Extended aussperrt, und entscheiden Sie diese Frage bewusst statt aus Reflex. Der Rest ist Arbeit an Fakten, an Struktur und an den fremden Seiten, die über Sie schreiben.