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KI & SEO

Was AI Overviews an Klicks kosten: die Zahlen

02. November 2026 · 11 Min. Lesezeit

Die veröffentlichten Werte zum Klickverlust durch AI Overviews reichen von 6,6 Prozent bis über 65 Prozent. Beide Enden stammen aus ernsthaften Erhebungen, und beide sind richtig. Sie messen nur nicht dasselbe: einmal den Rückgang aller organischen Klicks eines ganzen Landes, einmal die Klickrate auf einer einzelnen Suchergebnisseite, über der eine KI-Antwort steht.

Dieser Artikel sortiert die vorliegenden Erhebungen nach dem, was sie tatsächlich erhoben haben, mit Stichprobe, Zeitraum, Land und Datenquelle. Am Ende steht eine kurze Anleitung, wie Sie Ihren eigenen Verlust bestimmen, statt eine fremde Prozentzahl auf Ihre Domain hochzurechnen.

Drei Größen, die alle „Klickverlust" heißen

Wenn zwei Leute über den Schaden durch KI-Antworten streiten, reden sie meistens über drei verschiedene Größen, ohne es zu merken.

  • Die Klickrate auf einer Position. Wie oft wird der erste Treffer angeklickt, wenn darüber eine KI-Antwort steht, und wie oft ohne? Sistrix hat für Deutschland gemessen, dass Position 1 von 27 auf 11 Prozent fällt. Das ist ein Wert je Suchergebnisseite, keine Aussage über Ihre Website.
  • Der Anteil der Suchen ohne Klick. SparkToro hat zusammen mit Similarweb ausgewertet, wie viele Google-Suchen überhaupt zu einem Klick ins offene Web führen. Für Januar bis April 2026 sind das in den USA 68,01 Prozent ohne Klick, in Deutschland 62,1 Prozent. Diese Zahl umfasst alles, auch Wetter, Rechnen und Navigationssuchen, und stieg lange vor der ersten KI-Antwort.
  • Die Klicks einer Domain oder eines Marktes. Sistrix beziffert den Verlust für Deutschland auf 265 Millionen Klicks pro Monat, was über alle untersuchten Keywords hinweg 6,6 Prozent entspricht.

Der Unterschied ist keine Wortklauberei, er entscheidet über die Größenordnung. Wenn Ahrefs 58 Prozent weniger Klicks auf Position 1 misst, heißt das nicht, dass Ihre Website 58 Prozent ihres Traffics verliert. KI-Antworten erscheinen in Deutschland auf etwa 20 Prozent der Keywords, im Longtail auf rund 30 Prozent, und sie erscheinen fast ausschließlich bei informationsnahen Fragen. Der Marktdurchschnitt liegt deshalb bei 6,6 Prozent, obwohl die einzelne betroffene Seite hart getroffen wird.

Was die einzelnen Erhebungen gemessen haben

ErhebungDatengrundlageZeitraumKernzahl
Pew Research CenterBrowserverläufe von 900 US-Erwachsenen, 68.879 SuchanfragenMärz 2025Klick auf ein Ergebnis bei 8 Prozent der Besuche mit KI-Antwort, 15 Prozent ohne
Ahrefs300.000 Keywords, aggregierte Search-Console-Daten, Desktop, Position 1Dez. 2023 gegen Dez. 202558 Prozent niedrigere Klickrate für den ersten Treffer
Sistrixüber 100 Millionen Keywords im deutschen IndexFebruar 2026, aktualisiert im AugustPosition 1 von 27 auf 11 Prozent, 265 Mio. Klicks pro Monat
Seer Interactive3.119 Suchbegriffe aus 42 Firmenkonten, 25,1 Mio. organische ImpressionenJuni 2024 bis September 2025organische Klickrate 1,45 Prozent ohne KI-Antwort, 0,52 Prozent mit
Amsive700.000 Keywords von 10 Websites, davon 10.000 mit KI-Antwortnicht veröffentlicht15,49 Prozent weniger Klicks im Schnitt
SparkToro mit SimilarwebClickstream-Panel für Desktop und MobilJanuar bis April 202668,01 Prozent der US-Suchen enden ohne Klick
Agarwal und Sen1.065 US-Teilnehmer, Browsererweiterung, ZufallszuteilungJanuar und Februar 20260,38 statt 0,61 ausgehende Klicks je Suche

Dahinter stehen vier grundverschiedene Verfahren, und jedes hat eine eigene Schlagseite. Panel-Studien wie die von Pew beobachten echte Menschen beim Surfen, dafür sind es wenige, sie sitzen in einem einzigen Land und wer an einer Studie teilnimmt, ist selten der Durchschnitt. Clickstream-Daten wie bei SparkToro und Similarweb decken sehr viel mehr Suchen ab, kennen aber die Suchergebnisseite selbst nicht in jedem Fall und lassen die Google-App auf dem Handy komplett aus, wo Google seine KI-Antworten besonders offensiv einsetzt.

Ahrefs, Amsive und Seer arbeiten mit aggregierten Search-Console-Daten aus echten Konten. Das ist die belastbarste Quelle für Klickraten, hat aber einen Haken: Wessen Konten das sind, entscheidet über das Ergebnis. Amsive hat zehn Websites aus fünf Branchen ausgewertet, darunter Finanzen, Bildung und Gesundheit. Ein Rezeptportal oder ein Handwerksbetrieb kommt dort schlicht nicht vor. Sistrix wiederum modelliert aus einem eigenen Keyword-Index und veröffentlichten Klickkurven, deckt dafür den deutschen Markt in einer Breite ab, die kein Kundenkonto liefert.

Gut zu wissen: Ahrefs hat seine Auswertung 2026 mit neuen Daten wiederholt. Der Wert stieg von 34,5 Prozent auf 58 Prozent, bei gleicher Methode und gleicher Stichprobengröße. Wer heute die ältere Zahl zitiert, zitiert nicht falsch, sondern veraltet.

Aus der Reihe fällt die Arbeit von Saharsh Agarwal und Ananya Sen. Die beiden Forscher der Indian School of Business und der Carnegie Mellon University haben 1.065 Teilnehmer per Zufall in drei Gruppen geteilt und einer davon die KI-Antworten über eine Browsererweiterung ausgeblendet. Ohne KI-Antwort stiegen die ausgehenden Klicks von 0,38 auf 0,61 je Suche, der Anteil klickloser Suchen sank von 72 auf 54 Prozent. Bemerkenswert daneben: Die Zufriedenheit der Nutzer unterschied sich zwischen den Gruppen praktisch nicht.

Zwei Werte von Pew werden in der Diskussion regelmäßig übersehen, obwohl sie mehr erklären als jede Prozentangabe zur Klickrate. Erstens klickten die beobachteten Nutzer nur in einem Prozent der Besuche auf eine der Quellen, die in der KI-Antwort selbst verlinkt waren. Die Verlinkung im Antwortkasten ersetzt den organischen Treffer also nicht, sie ist eine ganz andere Größenordnung. Zweitens beendeten die Nutzer ihre Sitzung nach einer Seite mit KI-Antwort in 26 Prozent der Fälle vollständig, nach einer Seite ohne in 16 Prozent. Der Klick verschiebt sich nicht zu einem anderen Ergebnis, er findet gar nicht statt.

Wo der Verlust groß ist und wo er fast verschwindet

Der wichtigste Befund aller Erhebungen ist nicht die Höhe, sondern die Streuung. Sistrix hat den Verlust nach Suchintention aufgeschlüsselt, und die Spanne ist enorm: informationsnahe Fragen verlieren bis zu 24 Prozent ihrer Klicks, transaktionale Suchanfragen zwischen 0,18 und 1,73 Prozent. Rezeptsuchen liegen bei 1,07 Prozent. Wer Produkte verkauft, steht in diesen Daten deutlich besser da als jeder Ratgeber.

Amsive kommt über einen anderen Weg zum selben Muster. Dort verlieren Keywords ohne Markenbezug 19,98 Prozent, während Markensuchen zulegen. Am härtesten trifft es zwei Konstellationen: Keywords, die außerhalb der Top 3 ranken, verlieren 27,04 Prozent, und wenn zur KI-Antwort noch ein Featured Snippet kommt, sind es 37,04 Prozent. Über der eigentlichen Trefferliste stapeln sich dann zwei Kästen, und was darunter steht, sieht kaum noch jemand.

Bei Seer Interactive lässt sich der Effekt an absoluten Klickraten ablesen. Im dritten Quartal 2025 lag die organische Klickrate bei Suchanfragen ohne KI-Antwort bei 1,45 Prozent, bei Suchanfragen mit KI-Antwort und ohne Nennung der Marke bei 0,52 Prozent. Seer weist zugleich aus, dass auch die Anfragen ohne KI-Antwort im Jahresvergleich 46,2 Prozent verloren haben. Das ist der Punkt, an dem die üblichen Schlagzeilen zu kurz greifen: Ein erheblicher Teil des Rückgangs passiert auch dort, wo gar keine KI-Antwort steht.

Wer trotz AI Overview mehr Klicks bekommt

Es gibt Gewinner, und sie sind gut belegt. Bei Seer erreichten Marken, die in der KI-Antwort selbst zitiert wurden, eine organische Klickrate von 0,70 Prozent gegenüber 0,52 Prozent bei nicht zitierten Marken. Das sind 35 Prozent mehr Klicks bei ansonsten identischer Ausgangslage. Bei den bezahlten Anzeigen fiel der Abstand mit 91 Prozent noch deutlicher aus.

Amsive hat den zweiten Gewinnerfall gefunden: Markensuchen lösen nur bei 4,79 Prozent der Fälle eine KI-Antwort aus, und wenn doch, steigt die Klickrate um 18,68 Prozent. Die Erklärung liegt nahe. Wer nach einem Firmennamen sucht, will zu dieser Firma, und die Zusammenfassung darüber bestätigt ihn eher, als dass sie ihn abfängt. Welche Inhalte überhaupt eine Chance auf eine Nennung haben, steht ausführlich in der Übersicht dazu, welche Inhalte Google in KI-Antworten zitiert.

Ein Vorbehalt gehört dazu, sonst wird aus dem Befund ein Werbeversprechen. Zitiert wird bevorzugt, was ohnehin Autorität hat. Der Zitat-Vorsprung von 35 Prozent misst also zum Teil die Stärke der Marke und nicht die Wirkung des Zitats. Aus derselben Zahl lässt sich beides lesen, und keine der Erhebungen trennt das sauber.

Praxis-Tipp: Prüfen Sie zuerst, welcher Anteil Ihrer Klicks überhaupt aus informationsnahen Suchanfragen kommt. Liegt er unter einem Fünftel, ist Ihr Risiko aus diesen Studien klein, egal welche Schlagzeile gerade kursiert.

Was die Daten nicht zeigen

Hier wird es unbequem, denn die Lücken sind größer als die meisten Zusammenfassungen zugeben.

Keine der genannten Erhebungen misst Umsatz. Alle messen Klicks, und ein Klick ist kein Auftrag. Ob die verbleibenden Besucher besser oder schlechter konvertieren, weiß aus diesen Daten niemand. Google selbst behauptet das Gegenteil des Klickverlusts: In einem Blogbeitrag im August 2025 schrieb die Suchchefin Liz Reid, das organische Klickvolumen sei im Jahresvergleich „relativ stabil" geblieben und die Qualität der Klicks gestiegen. Zahlen enthielt der Beitrag keine, und Google hat bis heute keine nachgereicht. Das ist kein Beleg, sondern eine Behauptung, aber es ist die Behauptung der einzigen Partei, die die vollständigen Daten besitzt.

Dazu kommt eine handfeste Messlücke. Google hat im Juni 2026 eigene Berichte für generative Suchfunktionen in der Search Console angekündigt, und diese Berichte enthalten ausschließlich Impressionen: keine Klicks, keine Klickrate, keine Position, keine Suchanfragen. Es gibt also bis heute kein einziges Klickdatum direkt aus der KI-Antwort. Jede Zahl in diesem Artikel ist entweder außerhalb von Google erhoben oder aus der Differenz zwischen Seiten mit und ohne KI-Antwort erschlossen.

Auch die Herkunft der Daten begrenzt, was Sie daraus ableiten dürfen. Pew, Seer, Ahrefs, Amsive und das Feldexperiment beziehen sich auf englischsprachige Suchanfragen, überwiegend aus den USA. Für Deutschland gibt es im Grunde zwei Quellen: Sistrix und die Länderauswertung von SparkToro, und die klammert ausgerechnet die Google-App auf dem Handy aus. Bei Amsive fehlt zudem die Angabe, über welchen Zeitraum gemessen wurde. Das macht die Zahl nicht falsch, aber es macht sie unprüfbar.

Kausalität behauptet außerdem fast keine dieser Arbeiten. Ahrefs formuliert bewusst vorsichtig, dass die Anwesenheit einer KI-Antwort mit einer niedrigeren Klickrate „korreliert", und verweist darauf, dass auch frühere Elemente auf der Ergebnisseite Klicks gekostet haben. Im selben Zeitraum liefen mehrere Core Updates. Die einzige Arbeit mit Zufallszuteilung ist das Papier von Agarwal und Sen, und das ist ein Arbeitspapier ohne Begutachtung, dessen Kernzahl sich zwischen zwei Fassungen von 39,8 auf 38 Prozent verschoben hat.

Wir halten die 58 Prozent von Ahrefs für die am häufigsten missbrauchte Zahl der Branche. Sie ist sauber erhoben und für ihren Zweck korrekt, aber sie gilt für Position 1 bei informationsnahen Keywords mit KI-Antwort auf dem Desktop in einem englischsprachigen Datensatz. Wer sie in eine Umsatzprognose für einen deutschen Mittelständler einsetzt, rechnet mit einer Zahl, die für seinen Fall nie erhoben wurde. Die ehrlichere Planungsgröße für Deutschland sind die 6,6 Prozent von Sistrix, und zwar so lange, bis Sie im eigenen Konto nachgesehen haben.

So messen Sie Ihren eigenen Klickverlust

Die Search Console hält 16 Monate vor, das reicht für einen Jahresvergleich. Filtern Sie Ihre Suchanfragen nach solchen ohne Markenbezug und vergleichen Sie Klicks und Impressionen desselben Monatspaars. Sinkt die Klickrate bei stabilen oder steigenden Impressionen, sitzt über Ihren Treffern etwas Neues. Ahrefs hat diesen Effekt an den eigenen Daten beschrieben und gezeigt, wie der Zusammenhang zwischen Impressionen und Klicks von positiv auf negativ kippte: die aktualisierte Auswertung von Ahrefs führt beides zusammen.

Zweiter Schritt: Nehmen Sie Ihre dreißig wichtigsten Suchanfragen und sehen Sie von Hand nach, ob dort eine KI-Antwort erscheint. Das dauert eine halbe Stunde und ersetzt jede Schätzung. Dritter Schritt: Trennen Sie den Rückgang nach Intention, weil Ratgeberseiten und Leistungsseiten sich völlig unterschiedlich verhalten. Wie Sie die Titel und Beschreibungen der verbleibenden Treffer klickstärker machen, steht in der Anleitung zur Klickrate in den Suchergebnissen, und die strategischen Antworten auf dauerhaft klicklose Suchen finden Sie in der Übersicht zu Suchen, die ohne Klick enden.

Wer die Grundlagen dahinter nachlesen will, wie diese Antwortkästen entstehen und wie sie sich 2026 verändert haben, findet sie im ausführlichen Überblick über AI Overviews. Und wer aus den Zahlen den Schluss zieht, jetzt alles auf ein neues Kürzel umstellen zu müssen, sollte vorher lesen, warum GEO das klassische SEO nicht ablöst.

Fazit

Die Spannbreite von 6,6 bis 65 Prozent ist kein Widerspruch, sondern die Folge von drei verschiedenen Messgrößen, vier Erhebungsverfahren und sehr unterschiedlichen Stichproben. Für Deutschland sind die Zahlen von Sistrix die passendste Grundlage, für die Klickrate auf Position 1 die von Ahrefs, für das tatsächliche Nutzerverhalten die Panel-Daten von Pew und das Feldexperiment von Agarwal und Sen. Welche Zahl für Sie gilt, entscheidet Ihre Suchintention, und die kennt nur Ihre eigene Search Console.

Ihren Klickverlust einmal sauber nachrechnen

Wir sehen uns Ihre Search-Console-Daten an, trennen den Rückgang nach Suchintention und sagen Ihnen, welcher Teil Ihres Traffics durch KI-Antworten wirklich gefährdet ist.

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