Hinter dem Begriff „KI-SEO-Agentur" stecken zwei ganz verschiedene Leistungen. Die eine setzt Sprachmodelle ein, um SEO-Arbeit billiger zu produzieren, vor allem Texte. Die andere richtet Ihre Website darauf aus, in den Antworten von ChatGPT, Perplexity und den AI Overviews überhaupt vorzukommen. Beide Angebote tragen denselben Namen, sie kosten oft Ähnliches, und das erste kann Ihrer Website schaden, während das zweite ihr nützt.
Der Begriff wird in Deutschland rund 260 Mal im Monat gesucht, ein Anzeigenklick darauf kostet im Schnitt 24,66 Euro. So viel zahlt nur, wer am Ende einen Vertrag mit Laufzeit erwartet. Bevor Sie in ein Gespräch gehen, lohnt sich deshalb die Frage, welche der beiden Leistungen das Angebot meint. Sie erkennen es an einer Handvoll Formulierungen, zuverlässiger als an jeder Referenzliste.
Was eine KI-SEO-Agentur eigentlich verkauft
Die Doppeldeutigkeit ist nicht böse Absicht, sondern der Zustand des Marktes. Das Kürzel KI-SEO wird von zwei Lagern benutzt, die kaum etwas gemeinsam haben. Wir haben die beiden Bedeutungen von AI SEO an anderer Stelle sauber getrennt, hier interessiert nur, wie Sie im Angebot erkennen, welches Lager vor Ihnen sitzt.
- KI als Werkzeug. Die Agentur produziert mit Sprachmodellen schneller: Texte, Titel, Descriptions, Schema-Auszeichnung, Auswertungen. Das Ziel bleibt das klassische Google-Ranking. Im Angebot stehen dann Mengen, etwa „20 Beiträge im Monat" oder „alle Kategorietexte in vier Wochen".
- KI als Kanal. Die Agentur arbeitet daran, dass Ihre Website in KI-Antworten als Quelle auftaucht. Im Angebot stehen dann Testfragen, Messtermine, Crawler-Zugriffe, Antwortblöcke. Also Dinge, die man wiederholt prüft, nicht Dinge, die man abliefert.
Beides kann legitim sein. Nur eben nicht gleichzeitig unter einer Zahl auf dem Angebot. Wenn Sie eine Seite lesen, auf der beides in einem Absatz steht, fragen Sie im ersten Gespräch danach, welcher der beiden Effekte in Monat drei sichtbar sein soll. Die Antwort trennt sofort.
Das riskante Angebot: Textmenge, die Content-Strategie heißt
Der erste Fall ist der, bei dem man Geld verlieren und zusätzlich Schaden anrichten kann. Eine Agentur, die Sprachmodelle vor allem zur Kostensenkung einsetzt, verkauft Volumen. Sie schreibt es nur nie so hin. Auf dem Angebot steht Content-Strategie, in der Kalkulation steht eine Zahl mal einem Stückpreis.
Google hat für dieses Muster seit 2024 zwei eigene Regeln in den Spam-Richtlinien. Scaled Content Abuse meint massenhaft erzeugte Seiten ohne eigenen Nutzen, unabhängig davon, ob Mensch oder Maschine sie geschrieben hat. Site Reputation Abuse meint fremde Inhalte, die auf einer angesehenen Domain abgeladen werden, um deren Vertrauen abzugreifen. Beides trifft genau die Arbeitsweise, mit der sich hundert Artikel im Monat rechnen. Nachzulesen sind die Regeln in den Spam-Richtlinien von Google, und sie sind kurz genug, um sie vor einem Erstgespräch zu überfliegen.
Wichtig ist die Unterscheidung: Google verbietet keine KI-Texte. Bewertet wird das Ergebnis, nicht das Herstellungsverfahren. Ein Text, der eine Frage besser beantwortet als alles andere im Netz, darf mit einem Modell entstanden sein. Ein Text, der nur existiert, damit ein Keyword abgedeckt ist, hat auch von Hand geschrieben keinen Wert. Nur fällt Letzteres eben erst auf, wenn es hundertfach passiert, und maschinell passiert es leicht hundertfach.
Woran Sie so ein Angebot erkennen:
- Preis pro Artikel. Abgerechnet wird eine Stückzahl, nicht ein Ergebnis. Sobald in einem Angebot ein Betrag neben dem Wort „Beitrag" steht, wissen Sie, was das Produkt ist.
- Mengenzusagen. „Wir liefern 30 Texte im Monat" ist eine Aussage über die Werkstatt, nicht über Ihre Sichtbarkeit.
- Kein Wort zu Quellen. Fragen Sie, woher die Fakten kommen. Wenn niemand Studien, Datenblätter oder Interviews nennt, kommen sie aus dem Trainingsstand eines Modells, und der erfindet Zahlen.
- Keine Frage an Sie. Eine Agentur, die 30 Texte über Ihr Fachgebiet schreiben will und dafür keinen einzigen Termin mit Ihrem Meister, Ihrer Steuerberaterin oder Ihrem Techniker braucht, hat vor, ohne Ihr Fachwissen auszukommen.
Unsere Meinung dazu, offen: Der Stückpreis pro Artikel ist in diesem Markt das verlässlichste Warnsignal, deutlicher als jede Formulierung auf der Website. Wer pro Stück verkauft, hat ein Interesse daran, dass viele Stücke entstehen, und niemand hat dann ein Interesse daran, dass zwölf gute Seiten reichen würden. Wir schreiben selbst mit Werkzeugunterstützung, und genau deshalb rechnen wir nicht nach Textmenge ab.
Gut zu wissen: Ein schneller Test vor der Unterschrift: Lassen Sie sich zwei Textproben aus laufenden Kundenprojekten geben und suchen Sie darin nach einer Zahl, einem Datum oder einer Quelle. Finden Sie in zwei Artikeln nichts davon, wissen Sie, wie tief die Recherche im Preis steckt.
Was eine ernsthafte Agentur zusagen kann und was nicht
Die zweite Bedeutung, Sichtbarkeit in KI-Antworten, hat eine harte Grenze: Eine Nennung in ChatGPT kann niemand zusichern. Es gibt keine Position, in die man sich hocharbeitet, und dieselbe Frage kann in zwei Sitzungen zwei verschiedene Antworten hervorbringen. Wer Ihnen eine Nennung verspricht, verkauft etwas, das er nicht besitzt. Dass ein Anbieter diese Grenze im ersten Gespräch von sich aus nennt, ist ein gutes Zeichen und kein schlechtes.
Zusagen lässt sich die Zulieferung. Ob GPTBot, PerplexityBot und ClaudeBot Ihre Seiten abrufen dürfen. Ob Ihre Aussagen als abgeschlossene Blöcke mit Zahl und Datum dastehen, die ein Modell als Ganzes übernehmen kann. Ob es außerhalb Ihrer Domain Belege gibt, an denen sich Ihre Angaben prüfen lassen. Ob veraltete Preise und tote Seiten verschwinden. Das ist die Arbeit, und sie sieht unspektakulär aus.
Bei der ersten Bedeutung, KI als Werkzeug, lautet die ehrliche Zusage anders: mehr Ausstoß bei gleicher Qualität, weil ein Mensch prüft, was das Modell vorschlägt. Der Prüfschritt ist der eigentliche Posten. Welches Werkzeug für welche Aufgabe überhaupt taugt, haben wir im Vergleich der KI-Tools nach Aufgabe aufgeschlüsselt. Eine Agentur, die keinen Prüfschritt einkalkuliert, hat ihn wegoptimiert, und Sie merken das an der dritten falschen Produktangabe auf Ihrer eigenen Website.
Wie Sie die Beauftragung dann im Einzelnen absichern, von der Ausgangsmessung bis zur Kündigungsfrist, steht in unseren neun Fragen vor der Unterschrift. Dieser Beitrag hier klärt, was auf dem Angebot steht, jener klärt, was Sie im Gespräch daraus machen.
Woran Sie nach drei Monaten sehen, ob es gewirkt hat
Stellen Sie diese Frage vor der Unterschrift und lassen Sie sich die Antwort ausformulieren. Wer darauf keine konkrete Antwort hat, hat keinen Plan, sondern einen Kalender. Realistisch nach drei Monaten sind ein höherer Anteil der Testfragen, bei denen Sie überhaupt genannt werden, Zugriffe mit Referrern wie chatgpt.com oder perplexity.ai in den Serverlogs und mehr eigene Seiten, die als Quelle verlinkt werden. Nicht realistisch sind Umsatzzahlen aus diesem Kanal, dafür ist die Datenmenge zu klein. Welche Kennzahlen sich in KI-Antworten überhaupt sauber erheben lassen, behandeln wir in den GEO-Kennzahlen im Detail.
Voraussetzung ist in beiden Fällen eine Nullmessung, bevor irgendetwas passiert. Ohne Ausgangswert ist jede spätere Erfolgsmeldung unbelegbar, und das weiß der Anbieter. Zwanzig feste Testfragen, monatlich in zwei oder drei Assistenten geprüft, ergeben nach einem Quartal eine Reihe, mit der Sie diskutieren können.
Beim Angebot selbst achten Sie auf Mengen statt auf Bereiche: wie viele Testfragen, wie oft geprüft, wie viele Seiten überarbeitet, wie viele Stunden Technik. Steht dort „laufende Optimierung" ohne Zahl dahinter, bezahlen Sie Leerlauf mit. Und eine lange Mindestlaufzeit ist in einem Feld, das sich alle paar Monate verschiebt, ein Warnsignal: Sie bedeutet, dass der Anbieter Zeit braucht, bis etwas zeigbar wird, und diese Zeit auf Ihr Risiko bucht. Wenn Sie ohnehin überlegen, wie viel Sie selbst übernehmen, hilft die Gegenüberstellung von Eigenregie und Auftrag beim Zuschnitt.
Praxis-Tipp: Legen Sie Ihre Testfragen selbst fest, bevor der erste Anbieter eine vorschlägt. „Bester Anbieter für X" ist eine Agenturfrage. „Was kostet die Wartung einer Wärmepumpe im dritten Jahr?" ist eine Kundenfrage. Wer die Liste schreibt, bestimmt, was später als Erfolg gilt.
Wer hat den Text geschrieben? Die Kennzeichnungsfrage
Seit dem 02.08.2026 gilt Artikel 50 der KI-Verordnung, der Transparenzpflichten für erzeugte Inhalte regelt. Wie weit er im Einzelfall in Marketingtexte hineinreicht, ist juristisch nicht in jedem Punkt geklärt, und dieser Absatz ersetzt keine Rechtsberatung. Praktisch heißt das aber schon jetzt: Sie sollten wissen, was von dem, was unter Ihrem Namen erscheint, maschinell entstanden ist. Bilder eingeschlossen.
Fragen Sie deshalb geradeheraus, ob Texte und Bilder mit KI erzeugt werden, in welchem Umfang und wer sie danach prüft. Ein Ja darauf ist kein Ausschlusskriterium. Wir arbeiten selbst so. Ein Ausweichen darauf ist eines, denn wer die Frage im Verkaufsgespräch nicht beantwortet, beantwortet sie auch nicht, wenn ein Kunde sie stellt. Lassen Sie sich außerdem schriftlich geben, dass alle gelieferten Inhalte samt Bildrechten Ihnen gehören und dass Sie über die Herkunft Auskunft bekommen, wenn Sie danach fragen.
Fazit
Der Name „KI-SEO-Agentur" sagt Ihnen nichts über die Leistung, das Angebot dahinter schon. Steht dort eine Stückzahl mit Preis, kaufen Sie Textmenge. Stehen dort Testfragen, Messtermine und eine Nullmessung, kaufen Sie Arbeit an Ihrer Sichtbarkeit in KI-Antworten. Fragen Sie nach der Ausgangsmessung, nach dem, was nach drei Monaten sichtbar sein soll, und danach, wer die Texte prüft. Drei Antworten reichen meistens für die Entscheidung.