„Mein Steuerberater meldet sich seit sechs Wochen nicht. Wie wechsle ich, ohne dass die Lohnabrechnung im nächsten Monat liegen bleibt?" Solche Sätze landen inzwischen im Chatfenster statt im Suchschlitz. ChatGPT, die AI Overviews in der Google-Suche und Perplexity antworten darauf mit einem Ablauf, mit Fristen und manchmal mit Namen. Ob Ihre Kanzlei dabei ist, hängt an einer Angabe, die auf den meisten Kanzleiseiten fehlt: wofür Sie stehen.
Steuerberatung ist in diesem Kanal ein eigener Fall. Die Modelle geben Steuerauskünfte bereitwillig und werden erst vorsichtig, wenn sie jemanden empfehlen sollen. Dazu kommt, dass ein großer Teil der Suchenden keine Privatleute sind, sondern Unternehmerinnen und Unternehmer, die nicht „einen Steuerberater" suchen, sondern einen für ihren Fall. Nicht gemeint ist hier die umgekehrte Richtung: Sprachmodelle als Werkzeug im Kanzleialltag behandelt Mandantendaten, Verschwiegenheit und Haftung. Hier geht es darum, dass ein fremdes Modell Ihren Kanzleinamen ausspricht.
Wonach gesucht wird, bevor jemand einen Steuerberater sucht
Bei einer Zahnarztpraxis steht am Anfang ein Schmerz, beim Handwerk ein Notfall. Bei Steuerberatern steht am Anfang fast immer ein Anlass oder ein Ärgernis. Niemand sucht aus Neugier eine neue Kanzlei. Gesucht wird, weil sich etwas geändert hat oder weil etwas schiefläuft.
Diese Muster kehren wieder, sinngemäß so getippt, wie sie im Chat ankommen:
- Wechsel. „Ich will meinen Steuerberater wechseln. Welche Fristen gelten, und wer gibt mir meine Buchhaltungsdaten heraus?"
- Gründung. „Wir gründen zu dritt eine GmbH. Ab wann brauchen wir eine Kanzlei, und was macht die im ersten Jahr überhaupt?"
- Selbstzweifel. „Freiberufler, EÜR, überschaubarer Umsatz. Reicht ein Programm, oder brauche ich jemanden?"
- Frist. „Ich schaffe die Steuererklärung nicht rechtzeitig. Bekomme ich über einen Steuerberater mehr Zeit?"
- Prüfung. „Das Finanzamt hat eine Betriebsprüfung angekündigt. Was passiert da, und wen hole ich dazu?"
- Schwerpunkt. „Steuerberater, der sich mit Amazon FBA und dem OSS-Verfahren auskennt." Oder mit Photovoltaik, Gastronomie, Ärzte-Berufsausübungsgemeinschaften, Kryptowährungen.
Die ersten fünf sind Sachfragen, in denen das Wort Kanzlei erst am Ende auftaucht. Die letzte ist der interessanteste Fall: Dort fragt jemand direkt nach einem Anbieter, aber nicht nach dem nächstgelegenen, sondern nach dem passenden. Es ist der Anlass, nicht der Bedarf, der die Formulierung bestimmt, und beim Schwerpunkt ist er so konkret, dass ein Modell ihn zuordnen kann.
Auffällig ist, was in den Wechselfragen als Grund genannt wird. Fast nie geht es um fachliche Fehler, sondern um ausbleibende Rückrufe, um Auswertungen, die im Juli für das Vorjahr kommen, und um die Frage, wer eigentlich zuständig ist. Wer Reaktionszeiten, feste Ansprechpartner und den Turnus der Auswertungen ausschreibt, liefert damit schon die halbe Antwort auf die Wechselfrage.
Warum ChatGPT die Steuerfrage beantwortet und bei der Kanzleifrage ausweicht
Steuern gehören zu den heiklen Themen, bei denen eine falsche Auskunft Geld kostet. Trotzdem verhalten sich die Modelle hier anders als bei Medizin. Fragen Sie nach der Abgabefrist, nach der Kleinunternehmerregelung oder nach der Abschreibungsdauer eines Laptops, und Sie bekommen eine ausführliche, meist zutreffende Antwort mit Paragraphen. Der Grund liegt im Material: Steuerrecht existiert als riesiger, gut strukturierter und frei zugänglicher Textbestand, von den Gesetzen über BMF-Schreiben bis zu den Fachportalen. Daraus lässt sich ohne Risiko referieren.
Vorsichtig werden die Modelle erst dort, wo ein Name fallen soll: freigiebig zur Sache, zurückhaltend beim Anbieter. Statt einer Kanzlei nennen sie das Berufsregister der Kammern oder ein Portal. Nach der Berufsstatistik der Bundessteuerberaterkammer sind in Deutschland gut 100.000 Steuerberaterinnen und Steuerberater bestellt. Ein Modell, das eine einzelne davon nennen soll, braucht ein Merkmal, an dem es sie festmachen kann. „Beratung für Unternehmen jeder Größe" ist keines.
Genau hier trennt sich Steuerberatung von der Rechtsberatung. Nennt die Frage einen Schwerpunkt, beantwortet das Modell dieselbe Anbieterfrage bereitwillig, weil sie kein Risiko mehr ist, sondern eine Zuordnungsaufgabe. Wer nach einem Steuerberater für Zahnarztpraxen in Mittelfranken fragt, bekommt Namen. Wer nach dem besten Steuerberater in Nürnberg fragt, bekommt eine Liste von Auswahlkriterien.
Gut zu wissen: Seit Belege digital laufen, ist die Ortsfrage bei Steuerberatern schwächer geworden, viele Mandate werden bundesweit vergeben. Das macht den Schwerpunkt wichtiger als die Stadt. Was die Kartensuche in ChatGPT für ortsgebundene Anbieter ändert, haben wir in OpenAIs eigener Ortssuche auseinandergenommen.
Spezialisierung: der stärkste Hebel für Ihre KI-Sichtbarkeit
Fast jede Kanzlei hat Schwerpunkte, gewachsen über Jahre, oft drei oder vier Branchen, die zusammen den halben Umsatz tragen. Auf der Website steht davon nichts, weil man niemanden abschrecken will. Damit scheitert es nicht an der Sache, sondern an der Formulierung.
Schwerpunkte gehören ausgeschrieben. Ein Modell kann „langjährige Erfahrung in verschiedenen Branchen" mit nichts verknüpfen. „Wir betreuen 40 Praxen aus dem Gesundheitswesen, davon 18 zahnärztliche" ist eine Angabe, die zitiert werden kann. Dazu gehört eine Seite je Schwerpunkt, auf der steht, was in dieser Branche anders läuft: typische Prüfungsthemen, Kassensysteme und Schnittstellen, branchenübliche Kennzahlen, Fallstricke bei der Umsatzsteuer.
An diesem Punkt kommt der Einwand, man verenge sich damit. Das halten wir für falsch. Eine Kanzlei, die alles macht, ist für ein Sprachmodell nicht beschreibbar und wird bei keiner Frage genannt. Ein Schwerpunkt schließt nichts aus, er sagt nur, wobei Sie schneller sind.
Fünf Stellen außerhalb der eigenen Website tragen den Schwerpunkt mit, und sie sind bei Steuerberatern andere als in anderen Branchen:
- Berufsregister der Kammer. Der amtliche Eintrag Ihrer Steuerberaterkammer. Für ein Modell die Bestätigung, dass es Sie gibt und dass Sie bestellt sind.
- Software-Verzeichnisse. Die Beratersuche von DATEV, die Partnerlisten von lexoffice, sevdesk oder Ihrem Kassenanbieter. Mandanten suchen ausdrücklich nach „Steuerberater mit lexoffice", und viele Kanzleien haben ihren Eintrag seit Jahren nicht angesehen.
- Verbands- und Netzwerklisten. Steuerberaterverband, Fachberaternetzwerke, Branchennetzwerke aus dem Gesundheits- oder Gastronomiebereich.
- Bewertungstexte. Nicht die Sternezahl zählt, sondern die Wörter darin. Zehn Bewertungen, in denen Gastronomie vorkommt, sagen mehr über Ihren Schwerpunkt als jede Selbstbeschreibung.
- Vorträge und Fachbeiträge. Der IHK-Vortrag zur E-Rechnung, das Webinar mit einem Softwarehaus. Solche Erwähnungen belegen, dass der Schwerpunkt echt ist.
Technisch hängt alles daran, dass die Systeme hereinkommen. Prüfen Sie in der robots.txt, ob GPTBot, OAI-SearchBot und PerplexityBot erlaubt sind; ältere Kanzleiseiten sperren aus Vorsicht alles außer dem Googlebot. Dazu ein AccountingService-Schema mit Adresse, areaServed und den Schwerpunkten, ergänzt um FAQPage auf den Themenseiten. In welcher Reihenfolge das sinnvoll ist, steht in unserem Beitrag dazu, wie eine GEO-Optimierung abläuft. Wie dieser Kanal mit der klassischen Google-Sichtbarkeit zusammenspielt, zeigt unsere Seite zur Suchmaschinenoptimierung für Steuerkanzleien.
Eine Seite fehlt fast immer, und sie ist die naheliegendste: der Kanzleiwechsel. Ablauf, Kündigungsfristen, Übergabe der Daten aus dem alten Rechenzentrum, offene Honorare, der Zeitpunkt im Jahr, zu dem ein Wechsel am wenigsten weh tut. Das ist die häufigste Frage aus dem ersten Abschnitt, und sie wird derzeit von Portalen beantwortet.
Praxis-Tipp: Nehmen Sie die letzten fünfzehn Neumandate und schreiben Sie zu jedem zwei Dinge auf: aus welcher Branche es kam und was der Auslöser war. Nach fünfzehn Zeilen sehen Sie Ihre Schwerpunktseiten und Ihren Redaktionsplan, und beides steht in der Sprache Ihrer Mandanten.
Was das Berufsrecht bei Werbung zulässt
Steuerberater dürfen werben, aber enger als ein Handwerksbetrieb. § 57a StBerG lässt Werbung zu, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. Vier Punkte daraus betreffen Ihre Texte:
- Keine reklamehafte Anpreisung. Sachliche Angaben über Tätigkeit, Schwerpunkte und Arbeitsweise sind zulässig, Superlative nicht. Für ein Sprachmodell waren sie ohnehin wertlos, weil sie nichts Überprüfbares tragen.
- Kein Vergleich mit Kollegen. „Schneller als Ihre bisherige Kanzlei" oder eine Gegenüberstellung mit erkennbaren Berufsträgern führt geradewegs in die Auseinandersetzung, und gemeldet wird so etwas erfahrungsgemäß aus dem eigenen Ort.
- Fachberater ist geschützt. Die Berufsordnung kennt zwei amtliche Fachberaterbezeichnungen, für Internationales Steuerrecht sowie für Zölle und Verbrauchsteuern. Weitere Fachberatertitel stammen von Verbänden oder Instituten und müssen den verleihenden Zusatz tragen. Von Tätigkeits- und Interessenschwerpunkten dürfen Sie dagegen frei sprechen, und für die KI-Sichtbarkeit reicht genau das.
- Der KI-Screenshot. Wenn ChatGPT Ihre Kanzlei einmal als „beste Steuerkanzlei in Nürnberg" bezeichnet, ist das die Ausgabe eines Sprachmodells und kein Nachweis. Auf der Startseite wird daraus eine unbelegte Spitzenstellungsbehauptung plus ein Vergleich mit den Kollegen. Zwei Verstöße in einem Bild.
Praktisch schränkt das kaum ein. Fristen, Rechtsformen, Branchen und Software sind sachliche Angaben und zugleich das Material, das zitiert wird. Berufsrechtliche Beratung ist dieser Abschnitt nicht, Steuerberater sind wir ebenso wenig; heikle Formulierungen klären Sie mit Ihrer Kammer.
Vier Messungen, die nichts kosten
Ohne Nachmessen bleibt das Glaubenssache. Diese vier Wege brauchen kein bezahltes Werkzeug:
- Zwei Fragen-Sets, mit und ohne Ort. Zehn Fragen aus dem ersten Abschnitt, einmal mit Ihrer Stadt, einmal ohne. Der Unterschied sagt Ihnen, ob Sie über die Region gefunden werden oder über den Schwerpunkt. Immer ausgeloggt und im temporären Chat, sonst antwortet das Modell auf Ihre eigene Vorgeschichte.
- Nach der Quelle fragen. Schieben Sie „Woher stammt diese Angabe?" hinterher und notieren Sie, welche Seiten verlinkt werden. Das zeigt Ihnen, an welcher Stelle im Netz Sie arbeiten müssen.
- Fremdeinträge gegenlesen. Berufsregister, DATEV-Beratersuche, Verbandsprofil, Google-Unternehmensprofil, alte Portaleinträge. Zwanzig Minuten, in denen meist eine veraltete Nummer oder ein ausgeschiedener Berufsträger auftaucht.
- Log und Search Console. Ein
grep -c GPTBot access.logbeantwortet in einer Sekunde, ob Sie gelesen werden. In der Search Console filtern Sie auf Suchanfragen mit „wechseln" oder Ihrem Branchenwort: steigende Impressionen ohne passende Klicks sind ein Indiz für AI Overviews.
Rechnen Sie nicht mit einem stabilen Ergebnis. Dieselbe Frage kann heute Ihre Kanzlei nennen und morgen das Kammerverzeichnis. Aussagekräftig wird erst die Reihe über Monate, alle acht Wochen genügt als Takt.
Fazit
Bei Steuerberatern entscheidet nicht die Ortsangabe über die Nennung, sondern der Schwerpunkt. Die Modelle beantworten Steuerfragen bereitwillig und weichen bei der Anbieterfrage aus, es sei denn, die Frage nennt eine Branche, eine Rechtsform oder eine Software. Wer seine Schwerpunkte ausschreibt, statt sie zu verschweigen, bekommt die Wechselfrage gleich mit beantwortet.